Sommerpflege von Obstgehölzen
7. August 2021

Am Samstag, den 7. August 2021 trafen sich morgens am Obstanbau Interessierte in der Obstanlage im Neurod. Neben Messelern auch Mitglieder aus dem Obst- und Gartenbauvereins Offenthal. 

Roland Seibel, Baumwart des OGV Messel, führte durch den Kurs, wobei er neben dem Sommerschnitt von Kern- und Steinobst auch Fragen des Pflanzenschutzes und der Düngung streifte. 

Vorteil des Sommerschnitts ist, dass die dem Baum zugefügten Wunden durch das mit dem Saftfluss austretende Lignin besser verheilt als im Winter. Grundsätzlich dient der Sommerschnitt dazu, das Baumwachstum zu regulieren und Pilzbefall zu reduzieren, da die Blätter durch die bessere Belüftung der Krone nach Regenfällen schneller abtrocknen können. Aufgrund des besseren Lichteinfalls reifen die Früchte im Kroneninnern gleichmäßiger aus und entwickeln ein intensiveres Aroma.

Während beim Kernobst wie dem Apfel die Blüten an den Zweigen in der Regel an den Endknospe sitzen, treibt Steinobst seine Blütenknospen an der Seite von einjährigen Neutrieben. Entsprechend unterschiedlich muss geschnitten werden. 

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Stammpflege.


Bei der Stammpflege werden Flechten und Moose mittels Bürste entfernt, um so möglichen Schädlingen weniger Unterschlupf zu bieten. Der Kalkanstrich soll der Rissbildung durch plötzliche Temperaturschwankungen (im Spätwinter oder in heißen Sommern) vorbeugen. Das Freihalten der Baumscheibe von Vegetation hält Wühlmäuse ab und vermindert Nährstoffkonkurrenz. 

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Pflanzenschutz fängt bei der Sorte an: der linke Baum ist wesentich anfälliger für Pilzbefass als dar rechte


Pflanzenschutz fängt bei Pflanzenauswahl an. So neigt z.B. die Sorte „Golden Delicious“ in der derzeit feuchten Witterung stärker zu Pilzbefall als andere Sorten. Sehr wirkungsvoll ist die Werkzeughygiene (Desinfektion von Klingen), besonders wichtig beim Schnitt von mit übertragbaren Krankheiten befallenen Bäumen, wie Feuerbrand (Bakterium) oder Monilia (Pilz). 

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Befall mit schwarzem Rindenbrand.


Stark zugenommen hat in unserer Region der schwarze Rindenbrand, der über kleine Verletzungen der Rinde den Baum befällt. Es gibt keine Gegenmittel, kleinere Wunden können noch beschnitten werden. 

Die Förderung von Nützlingen wie Vögeln, welche Insekten dezimieren, wird für den Hobbyobstbau empfohlen. 

Grundsätzlich sollte im Obstbau nur gemäß Ergebnis einer Bodenprobe gedüngt werden (zumindest Hauptnährstoffe und Calcium, alle fünf Jahre). Häufiges Schadbild beim Apfel ist die Stippigkeit aufgrund von Calciummangel. Kompost kann auf die Baumscheibe aufgebracht werden, wirkt jedoch nur langsam, da alle Nährstoffe in der organischen Substanz gebunden sind. Bei den oft hohen P-Gehalten im Gartenboden empfiehlt es sich, Stickstoff als Mineraldünger aufzubringen, ggf. auch als Flüssigdünger auf den Boden (ca. 2,5 g Reinstickstoff/m²) bzw. in geringeren Mengen als Lösung aufs Blatt. Auch die Anwendung von selbst hergestellten organischen Flüssigdüngern ist möglich. 

Die interessante Reihe wird im November diesen Jahres fortgesetzt mit einem Winterschnittkurs, der sich speziell mit der Neupflanzung von Obstgehölzen befasst.

Vielen Dank, Roland! 

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Roland Seibel und Teilnehmer des Pflegekurses