Waldführung
mit Annerose Stambke von Hessenforst (24. September 2021)

Das Messel umgebende Waldgebiet ist sehr vielfältig und umfasst auch Lichtungen mit Feuchtwiesen, Bächen und Seen. Spätestens seit dem Dürresommer 2018 beobachten wir ein Absterben von Waldbäumen; nicht nur der Nadelbäume, sondern auch der Buchen und der Eichen. Gerade bei den Eichen erwischt es auch sehr alte Exemplare, die „Methusalembäume“. Es kann beobachtet werden, wie Wassermangel den Waldbäumen zusetzt. Hinzu kommt der Schädlingsdruck durch den Borkenkäfer, ein vermehrter Befall mit Pilzkrankheiten und die Zerstörung durch heftige Unwetter, wie Fabienne“

Welche ökologischen Funktionen besitzt unser Wald? Wie wird sich der Wald in den kommenden Jahren verändern? Welche Strategien verfolgt das zuständige Forstamt für die Aufforstung? Wie können wir dazu beitragen, den Wald zu erhalten? 

Am 24. September 2021 führte uns Diplom-Forstingenieurin Annerose Stambke von Hessenforst in ihr Revier zwischen Messeler Falltorhaus, Kalkofen, Egelsbach und Kranichsteiner Straße. 

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Frau Stambke von Hessenforst, im Hintergrund der Mörsbacher Grund

Unser Weg führte uns über die Kastanienallee, am Teich vorbei bis zur Kreuzung, auf welcher die sonntags die örtliche Thai-Chi-Gruppe trainiert. Bei der Kastanienallee sind in der letzten Zeit Ausfälle zu verzeichnen. Dennoch wird vom Forstamt hier kein „Pflegeschnitt“ wie er im städtischen Umfeld üblich ist, durchgeführt, da die Bäume mit 80 bis 100 Jahren ihr natürliches Alter erreicht haben. Vielmehr könnten einzelne Bäume ersetzt werden, um den Alleencharakter zu erhalten.  

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Teilnehmer an der Waldführung


Die Pfeifengraswiesen im Mörsbacher Grund beherbergen eine extrem vielfältige Tier- und Pflanzenwelt (wie das Waldläusekraut). Die Wiesen sind verpachtet. Sie werden erst Anfang Juli gemäht, und zwar von innen nach außen, um dort lebenden Tieren eine Fluchtmöglichkeit zu bieten; das Mähgut wird abgefahren, es wird nicht gedüngt. Im Hintergrund liegt eine s. g. Waldentwicklungsfläche: bodensaurer Eichenmischwald. Die Staunässe ist geologisch bedingt durch das Rotliegende, die für Messel typische geologische Formation mit hohem Tonanteil.  Baumarten, die sich hier gut behaupten können sind die Stieleiche, die Traubeneiche und die Hainbuche.  

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Am Thai-Chi-Platz

Der Hessische Staatswald ist FSC-zertifiziert (https://www.hessen.de/pressearchiv/pressemitteilung/hessischer-staatswald-ist-nun-oekologisch-nachhaltig-nach-fsc-zertifiziert-0). Dies bedeutet u. A., dass zur Aufforstung keine Bäume aus Fremdländern genutzt werden dürfen, also z. B. keine Roteichen oder Esskastanien. Aufgeforstet wird nur dort, wo sich der Wald nicht eigenständig wieder begrünen kann. Kriterium ist die Standortwasserbilanz und es wird ein Mischbestand mit mindestens vier Baumarten angestrebt. 

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Buche nach Kronenbruch 

Frau Stambke betont, dass viele der älteren Bäume durch Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge vor ihrem natürlichen Alter absterben. Dies kann an der Kreuzung an alte Eichen und Ahornbäumen beobachtet werden, von denen teilweise nur noch ein von Pilzen durchdrungener Stumpf übrig geblieben ist. Bei den Buchen am Wegesrand ist zwar die schüttere, blattarme Krone sichtbar, es ist jedoch nicht absehbar, wann eine solche Krone bricht. Jederzeit, nicht nur bei Wind, kann es zu Astbruch kommen. Spielgerät an diesen alten Bäumen ist gefährlich und sollte nicht unterstützt werden. Der Wald ist kein bloße Kulisse für Freizeitaktivitäten, sondern auch ein vielfältiger Lebensraum für eine große Zahl von Pflanzen und Tieren. Auch deshalb sind Wald und Wiesen am Mörsbacher Grund Schutzgebiet und dürfen nicht betreten werden. Viele der Teilnehmer der Führung unterstützen die Ansicht, dass Kindern den Wald als vielfältigen Lebensraum nahegebracht werden sollte. Die Wertschätzung für diesen Lebensraum muss vermittelt werden, nur so kann das Verständnis für Natur- und Artenschutz auch in den künftigen Generationen verankert werden. 

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Astbruch.


Intensiv diskutiert wird auch, wie sich Artenschutz, Klimaschutz und Waldbewirtschaftung in Einklang bringen lassen. Holz ist ein klimaneutraler Brennstoff, besonders beliebt ist Buchenholz; eine CO2-Festlegung ist immer dann gegeben, wenn Holz dauerhaft, z.B. zu Baumaßnahmen genutzt wird. Hierzu eignet sich besonders Nadelholz. Ein vorzeitiges Baumsterben wegen Trockenheits- und Krankheitsstress führt insgesamt zu wesentlich geringerer CO2-Festlegung des Waldes als zunächst erhofft. Es wird in Frage gestellt, inwieweit eine forstliche Nutzung des Waldes notwendig bzw. wünschenswert ist. Hierzu erläutert Frau Stambke, dass Bäume in ihrem Revier dann gefällt werden, wenn sie Menschen gefährden oder ein Hindernis darstellen. Außerdem werden überzählige Bäume in einem wachsenden Wald herausgenommen. Tote bzw. absterbende Bäume, die niemanden gefährden werden dagegen im Wald belassen und dienen zunächst noch Vögeln wie Spechten und dem Käuzchen als Nistgelegenheit, aber auch den verschiedensten Pilzen, Actinomyceten, Flechten und Bakterium als Substrat. 

Brennholz „ab Wald“ kann übrigens direkt über die Website von Hessenforst angefragt werden (https://www.hessen-forst.de/marktplatz/). Alle 10 Jahre wird eine Waldinventur durchgeführt. 

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Wir danken Frau Stambke für die sehr informative und kurzweilige Führung